Wer freut sich nicht auf Fasching oder Karneval?
Es ist die Zeit für viele Menschen, um in eine andere Zeit oder Identität abzutauchen, nämlich die Faschingszeit. Angefangen mit Weiberfasching endet das bunte Treiben dann am darauffolgenden Aschermittwoch. Dazwischen liegen knapp 7 Tage feiern, schunkeln, singen und tanzen. Die sogenannte fünfte Jahreszeit endet mit der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit, die bis Ostern geht. Während sich die „Narren“ ungehemmt der Feierlichkeiten hingeben so hat Fasching eine sehr lange Tradition, die auf geschichtliche Hintergründe zurückgeht, von denen mit Sicherheit nicht jeder Narr etwas weiß. Wer sich einmal gewundert hat, warum generell die Kirche oder die Regierung bei so mancher Büttenrede als Ziel für den Hohn und Spott ausgemacht wird, so kann an dieser Stelle gesagt werden, dass dies ein wichtiger Teil der langen Tradition des Fasching ist. Von der Verkleidung bis hin zur Schminke – alles hat seinen Ursprung in der damaligen Zeit, in der es dem einfachen Volk erlaubt war, die Obrigkeit in einem gewissen Ausmaß zu verspotten, ohne dass die Angst vor einer Strafe das Handeln bestimmte. In Köln heisst es so schön „Zum Karneval ist alles erlaubt“, was in gewissem Ausmaß durchaus seine Richtigkeit hat!Faschingskostüm

Generell werden als Karneval alle Bräuche verstanden, die mit der sechswöchigen Fastenzeit einhergehen und im Christentum als die Vorbereitung für das anstehende Osterfest angesehen werden. Diese Zeit wird regional äußerst unterschiedlich gefeiert jedoch zumeist mit Karnevalsumzügen, Musik, Masken und Verkleidungen jeglicher Art. Als regelrechte Karnevalshochburgen gelten hierzulande das Rheinland sowie Hessen, jedoch werden die Bräche mittlerweile auch im Norden des Landes zelebriert. Seinen Ursprung findet das Fasching jedoch bereits im Mittelalter, als diese Zeit in Kirchen gefeiert wurde. Offiziell billigte die Kirche das Verhalten zwar nicht, doch wurden die „Narrenfeste“ stillschweigend geduldet. In dieser Phase rund um den Epiphaniastag, der traditionell auf den 6. Januar fiel, war es den Klerikern des unteren Ranges zwischenzeitig erlaubt, die Privilegien des höheren Standes anzunehmen und die kirchlichen Rituale zu parodieren, in dem ein Pseudopapst gekürt wurde. Am 28. Dezember, also 9 Tage vor dem Epiphaniastag, wurde sogar ein Kinderbischof ernannt, welcher später durch den Pseudopapst ausgetauscht wurde. Das Volk wurde sehr gern in die Feste integriert, in dem Narren- oder Eselsmessen abgehalten wurden. Die Kirche billigte dieses Verhalten in dem Wissen, dass dieser Brauch auf die augustinischen Lehren des Werkes De civitate Dei zurückging, welche sich mit den Civitas Diaboli auseinandersetzte. Civitas Diaboli, der Staat des Teufels, wurde zelebriert um zu verdeutlichen, dass auch der Staat des Teufels – ebenso wie der Mensch an sich – vergänglich war und am Ende lediglich Gottes Herrlichkeit in Ewigkeit verbleiben würde. Aus diesem Grund wurde die Fastnacht auch mit dem Aschermittwoch ein Ende finden, da die unausweichliche Umkehr des Menschen zu Gott hiermit verdeutlicht wurde. Während der Fastenzeit war dem Feiernden Menschen Parodien in jeglicher Form ausdrücklich erlaubt jedoch verbot die Kirche ausdrücklich ein Weiterfeiern über den Aschermittwoch hinaus und verfolgte Zuwiderhandlungen sehr streng. Die Fastnacht als solche wurde sehr häufig mit dem Brauch der Nürnberger Schembartläufe gefeiert – der Zeit, in der der Narr Einzug halten durfte und auf die Vergänglichkeit des Menschen hinweisen durfte.

Die Dreikönigszeit

Obgleich der Anbeginn der Fastnachtzeit stets der Dreikönigszeit, also der 6. Januar, gewesen ist, so hat sich dieser Beginn mit dem 19. Jahrhundert in zahlreichen Regionen auf den 11. November, dem „Elften im Elften“ verlagert wobei als offizielle Anbeginnszeit stets die Uhrzeit „11:11 Uhr“ festgelegt wurde. Auch diese Uhrzeit hat ihren Ursprung in kirchlichen Gebrächen, genauer gesagt dem Weihnachtsfest, da es auch bei dem Weihnachtsfest eine vorbereitende 40-tägige Fastenzeit gab, welche der österlichen Fastenzeit nach dem Karneval stark ähnelte. Der 11. November, welcher auch als Martinstag angesehen war, galt dem Verzehr eben jener Speisen, die als nicht „fastenzeittauglich“ angesehen wurden. Zu diesen Lebensmitteln gehörte Fleisch, Schmalz, Milch- und Eierprodukte. Der Martinstag war zugleich das Ende des bäuerlichen Jahres, mit dem die Pacht gezahlt werden musste und das Gesinde wieder wechselte.

KarnevalskostümWas die wenigsten Narren wirklich wissen, ist, dass die eigentliche Fastnachtswoche ihren Höhepunkt im sogenannten schmotzigen Donnerstag findet, welcher seinen Ursprung im schwäbisch-alemannischen Raum hat. Dieser Donnerstag, welcher mit der Weiberfastnacht gleichgesetzt werden kann, verdankt seinem Namen dem altem Begriff Schmotz, was sich auf den in Schmalz gebackenen Festnachtsküchle bezieht.
Traditionell endet der Karneval exakt um Mitternacht mit Anbeginn des Aschermittwochs, welcher den Anfang für die Fastenzeit darstellt. Diesbezüglich gibt es in vielen Regionen Deutschlands eine Tradition, nach der die Narren eine Strohpuppe um Mitternacht verbrennen. Diese Puppe, welche als Nubbel bezeichnet wird, gilt als Symbol für die Reinigung der Seele da durch die Verbrennung des Nubbel die menschliche Seele von den Lastern der Narrenzeit befreut wird. Diese Tradition ist jedoch nur eine Variante der Reinigung der menschlichen Seele, speziell am Niederrhein kennt das Volk diese Tradition nicht. Jedoch gibt es in dieser Region anstelle des Nubbel den sogenannten Hoppeditz, welcher in der Nacht zum Aschermittwoch zu Grabe getragen wird. Diese Narrenfigur, welche als Hanswurst oder auch Schelm angesehen wurde und durchaus mit Till Eulenspiegel verglichen werden kann, wird als Inbegriff der Sünde der Erde überantwortet, wodurch sich das Volk von den Sünden freikaufen konnte. Dies wurde im Rahmen einer Feierlichkeit gewürdigt, in dem die kleinen Leute auf die Straße gingen und mit Stangen, an denen Würste oder Fleisch befestigt war, singend und tanzend durch die Straßen zogen. Auch die Tradition des „Portemonaie-Auswaschens“ in der Nacht zum Aschermittwoch hat in einigen Regionen Deutschlands noch immer Bestand. Nach dieser Tradition trafen sich die kleinen Leute traditionell zum Fischverzehr, um auf diese Weise die Fastenzeit einzuleiten.

Büttenreden

Obgleich es sicherlich keine heilige Narrenpflicht ist, diese interessanten Hintergründe über die fünfte Jahreszeit zu wissen, so kann es jedoch – gerade im Hinblick auf so manche Büttenrede – nicht schaden. Der Fasching oder auch Karneval ist eine Zeit der ausgelassenen Heiterkeit, in der fast alles erlaubt zu sein scheint. Die Verkleidungen erlauben ein hohes Maß an Kreativität und lassen den Menschen einmal ausgiebig unter ihresgleichen zu feiern, was in der heutigen Zeit, in der die Kontrolle und der Alltag das Leben des Menschen stark bestimmen, durchaus eine gewisse Wichtigkeit hat. Von Alaaf bis Helau – die Narrenzeit ist heute noch so beliebt wie damals und wird als „ewiger“ Brauch in Deutschland angesehen.